Nach der Amputation haben die Phantomschmerzen schlagartig aufgehört. Ich sitze jetzt also wieder auf der Sonnen- und Raucherterasse, werde braun und heile. Zwei Wochen später kann ich wieder nachhause. Hier bekomme ich von meinem neuen Sanitätshaus eine Übergangsprothese, die ich in der Reha tragen soll, bis mir die Krankenkasse mein eigenes Bein genehmigt. Dieses Leihbein ist ein Wunder der Technik. Ein C-LEG ist es. Eine computergesteuerte Knieprothese, die mit vielen Sensoren ausgestattet ist. So kann das Bein meine Gehgeschwindigkeit messen und entsprechend die Hydraulik steuern. Ein humpelfreises Gehen mit natürlichen Beinschwung. Zu Anfang geht es aber nur 2 Meter…dann bekomme ich Angst und setze mich wieder in den Rolli.
Zurück in der Reha Bad Bevensen übe ich täglich das Gehen. Erst mit Rollatoren, dann mit Krücken. Ich will am Ende ohne Hiflsmittel nachhause GEHEN.
Es gibt aus der Reha nur zwei Dinge zu erzählen:
1. Raucher treffen sich immer und bilden Gruppen. Ich gehöre zu einer Truppe aus 10 Patienten, meistens weiblich uind jenseits der 60. Ich begegne ihnen nur im Rolli und wir verstehen uns prima. Meine Prothese benutze ich nur nachmittags für das Training. Ich bin der einzige Amputierte. Sonst haben die Leutchen neue Knie- oder Hüftgelenke. Eineinhalb Wochen ist alles gut. Dann ziehe ich mir die Prothese an und gehe an Krücken zu meiner Rauchergruppe. Und was passiert? Vier Frauen fangen an zu weinen. Und auf die Frage, warum sie das tun, antworten sie mir, ich würde erst jetzt so unheimlich behindert aussehen.Und das würde sie eben sehr traurig machen. Hmmmmm….
2. Ich habe ein Eckzimmer, in dem der Rauchmelder in der Nähe der Badezimmertür hängt. An einem Morgen wollte ich lange und heiß duschen, weil ich mich irgendwie verlegen hatte und meine Schulter weh tat.Nach 20 Minuten komme ich aus dem Bad und will mich gerade anziehen, als die Tür aufgerissen wurde und sich ein Haufen Leutein mein Zimmer drängte. Ich sitze da also nackt im Rolli und muss mich fragen lassen, ob ich denn geraucht hätte. Erst jetzt erzählt man mir, dass mein Rauchmelder Alarm ausgelöst hätte. Im gesamten Haus wären die Fahrstühle stehengeblieben und jetzt würden alle Patienten festhängen. Die Feuerwehr sei im Anmarsch und überhaupt würde gleich das ganzeHaus evakuiert. Erst als sich alle davon überzeugt hatten, das es Dampf und kein Rauch war, durfte ich mich anziehen. Der beschissene Rauchmelder hat keinen Ton von sich gegeben. In einem echten Brandfall wäre ich tatsächlich der Letzte, der etwas bemerkt hätte.
Nach zwei Wochen Reha gehe ich aufrecht durch das Haus und habe nur den Rolli als Stütze. Aber ich gehe normal!